Zerstörung der Grünflächen im Quartier „Am Fasanengarten“ verhindern

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Anwohner, Gartenfreunde und Karlsruher Liste wollen Lebensqualität vor Ort erhalten

Die Karlsruher Liste (KAL) hat sich am vergangenen Samstag das Areal „Wohnen am Fasanengarten“ in der Oststadt angesehen. Dort will die Hardtwaldsiedlung-Genossenschaft den grünen Innenbereich des Quartiers zwischen Emil-Gött- und Parkstraße bebauen. Die KAL-Aktiven, angeführt von der ersten Vorsitzenden Margot Döring, ließen sich von Anwohnerinnen und Anwohnern die unter Denkmalschutz stehenden Gärten der Wohnanlage zeigen. Sie wurden 1921 nach dem historischen Vorbild einer Gartenstadt errichtet. Auch Alfred Lüthin, Geschäftsführer der Gartenfreunde Karlsruhe, und die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild machten sich mit der Situation vertraut.

Die KAL bekräftigte vor Ort, dass man den wachsenden Bedarf an Wohnraum sehe. Die Nachverdichtung müsse aber gesteuert werden: etwa durch vorrangiges Bebauen von versiegelten Flächen vor Grünbeständen und durch Beachtung des lokalen Kleinklimas. Dafür gibt es in Karlsruhe genügend positive Beispiele. Stadtrat Michael Haug betonte: „Die Karlsruher Liste wird nicht mitgehen, wenn Investoren im Rahmen der Nachverdichtung den lokalen Schutz vor Überhitzung missachten.“ Über Jahrzehnte gewachsene, oft denkmalgeschützte Grünbestände müssten erhalten bleiben.

„Es ist für die Betroffenen nicht mehr nachvollziehbar, dass Oberbürgermeister und Verwaltung der Stadt einerseits von Zielen beim Kleinklima sprechen, andererseits diese in ihren Baugenehmigungen komplett ignorieren“, kritisiert Stadtrat Lüppo Cramer und fordert hier eine glaubwürdige Vorgehensweise. Dass von dieser fatalen Entwicklung nicht nur die direkt Angrenzenden betroffen sind, machten Besucher aus anderen Karlsruher Stadtteilen deutlich. Sie erinnerten an die geplanten Bebauungen im Sophien-Carrée in der Weststadt, an den Plan eines überproportionalen Neubaus hinterm Franz-Rohde-Haus oder an die geplante Verdichtung eines Quartiers in der Karlstraße. Diese Projekte zerstörten gewachsene Grünareal in der Stadt, was das Klima und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger signifikant negativ beeinträchtige. Sicht der KAL: All diese Pläne einer Verdichtung müssen überarbeitet werden – mit mehr Gewicht für Freiflächen und auf den Erhalt funktionierender Strukturen. Beim Thema „Nachverdichtung versus Klimaverträglichkeit“ gehe es zudem um Denkmalschutz: für bedrohte Ensembles und auch für denkmalgeschützte Freiflächen.

„Es geht um unser aller Lebensqualität, für Mensch und Tier vor Ort! Die Luftzufuhr in den Blockinnenbereich wird unbedingt gebraucht“, betonte Anwohnerin Andrea König nachdrücklich. Sie appellierte an die politisch Verantwortlichen, hier endlich hinzuschauen und die Planung rückgängig zu machen: „Man kann nicht auf der einen Seite mit viel Geld seltene Pflanzen und Tiere irgendwo neu ansiedeln und andererseits hier in den Gärten ein gewachsenes, intaktes Ökosystem zerstören.“ Sie kritisierte auch die Denkmalbehörden, die dem historisch bedeutsamen, denkmalgeschützten Areal „Wohnen am Fasanengarten“ die Unterstützung und damit den Schutz entzogen hätten.

Alfred Lüthin wies in diesem Zusammenhang auf das schwindende Interesse am Hinterhofwettbewerb hin: „Die Menschen melden sich nicht mehr – aus Angst um ihre Grünoasen hinterm Haus.“ Keiner wolle städtische Mitarbeiter in seinen Hinterhofgarten einladen, die dann eventuell statt der Blumenpracht neues Bauland entdecken könnten. „Dies ist ein Alarmzeichen, das wir hören müssen“, gab der Geschäftsführer der Gartenfreunde zu bedenken.

Ein Kommentar

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    Wir haben mit Interesse Ihren Artikel vom 29.6. in der BNN zum Thema „Zerstörung der Grünflächen im Fasanengarten“ gelesen.
    Auch wir sind als Anwohner des geplanten Sophien-Carrées in der Weststadt von hemmungsloser Nachverdichtung bedroht. Die drei prominenten Bauträger, die Hans Eberhardt GmbH & Co., die kath. Kirchengemeinde St. Bonifatius und die ev. Stiftung Pflege Schönau zerstören durch maximal mögliche Bebauung eine grüne Oase in der schon dicht besiedelten Weststadt.
    Wie Sie treffend bemerken, scheinen die Klimaziele Karlsruhes hier keine Rolle zu spielen. Deshalb freut es uns zu lesen, dass die KAL für eine gesteuerte Nachverdichtung plädiert.
    Die Stadträte der Grünen teilten uns lediglich bedauernd mit, dass ihnen die Hände gebunden sind, weil kein Bebauungsplan vorliegt. Die SPD Stadträte Zeh und Marvi sehen entgegen früherer Aussagen (BNN-Artikel: Grüne Höfe schützen, 27.08.2014) hier keine Möglichkeit, den Kahlschlag zu verhindern, da nach ihrer Ansicht, die Gesamtfläche eher entsiegelt wird. Das trifft bestenfalls für das heutige Audi-Gelände zu. Die evangelische Stiftung hingegen wird die ihr gehörenden Gärten mit den gesunden Bäumen komplett zerstören.
    Der Stadt Karlsruhe scheint nur noch das Thema Wohnraum wichtig.
    Ein Bürgerdialog findet seitens der Stadt und den Bauträgern nicht statt.
    Die Informationsveranstaltung Ende letzten Jahres jedenfalls lud nicht zum Dialog ein, sondern war eine reine Werbeveranstaltung für das Projekt.

    Es freut uns deshalb zu lesen, dass die KAL solche Projekte kritisch betrachtet.
    Bitte nehmen Sie Einfluss auf die Entscheidungsträger der Karlsruher Planungsbehörden, und informieren Sie die Öffentlichkeit über solch geplante Zerstörungswerke.
    Im Falle das Sophien-Carrées sollte die Bevölkerung erfahren, dass für die beiden Kirchen Gewinnmaximierung im Zweifelsfalle mehr zählt als die Bewahrung der Schöpfung.
    Sie sind herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild über das Ausmaß des zu erwartenden Kahlschlags von unserem Balkon aus zu machen. Noch ist es nicht zu spät.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ester Witkind und Joachim Hirth

    Körnerstraße 55
    76135 Karlsruhe

    https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/SPD-will-Bebauungsplan-verschaerfen-Karlsruher-Innenhoefe-sollen-gruen-bleiben;art6066,1463931

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