Wie soll sich der Stadtwald in den nächsten 10 Jahren weiterentwickeln?

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Rede von KAL-Stadtrat Michael Haug zu TOP 4, Forsteinrichtung im Gemeinderat vom 19.06.2018

Anrede,

vor uns liegt ein Arbeitsprogramm, das sich sehen lassen kann. Wie soll sich der Stadtwald in den nächsten 10 Jahren weiterentwickeln?

Neben dem Erhalt der flächenhaften Ausdehnung und der Substanz unseres Stadtwaldes sowie dem wirtschaftlichen Ertrag, liegt der Fokus des Planes vor allem auf den Gemeinwohlbereichen, wie der Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes. Eben So, wie es die Zielsetzungen der Stadt Karlsruhe für unseren Wald festschreiben.

Die vorliegende Zustandserfassung bewertet die standörtlichen Rahmenbedingungen als gut, der Wald ist vom Zuwachs her insgesamt leistungsfähig. Mit der vorgelegten Planung werden die betriebswirtschaftlichen Parameter solide weiterentwickelt. Risiken bestehen vor allem als Folge des Klimawandels. Die zu erwartende, größere Trockenheit wird langfristig zu einer veränderten Zusammensetzung der Baumarten im Stadtwald führen. Hier wird man künftig mehr auf trockenresistente Arten setzen müssen. So, wie die Zielsetzung dem Gemeinwohl einen Vorrang vor der betriebswirtschaftlichen Seite gibt, möchte ich mich auch auf diese Punkte beschränken.

Mit einem Anteil von ca. 15% Waldbiotopen an der Holzbodenfläche ist dieser mehr als doppelt so hoch wie im Landesschnitt. Die gemeinsam von Forst und Naturschutz entwickelten Erhaltungs- und Entwicklungsziele der FFH- Managementpläne fließen in die Forsteinrichtung im Stadtwald ein. Aus Gründen des speziellen Artenschutzes werden auf Hinweis des Naturschutzes ältere Hybridpappeln als Lebensstätte von streng geschützten Arten erhalten. Der Anteil des Totholzes hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Eine weitere Erhöhung des Totholzanteiles auch innerhalb der Verjüngungsflächen ist im Hinblick auf die Erhaltung und Entwicklung der Lebensstätte des Hirschkäfers anzustreben.

Herausstellen möchte ich noch die erforderliche Entwicklung von Waldsäumen und stufigen Waldrändern. Diese, von uns oft nicht bemerkten, jedoch für viele Tier- und Pflanzenarten so wichtige und immer seltener werdenden Lebens- und Rückzugsräume sollen laut Forsteinrichtung geschaffen werden. Diese Entwicklung der wichtigen Lebensräume würde bei einer rein wirtschaftlich denkenden Forsteinrichtung verloren gehen!

Es ist gut und richtig, dass der Schutz- und Erholungsfunktion so eine große Bedeutung beigemessen wird. Die Menschen lieben diesen Wald und genießen vor allem an heißen Sommertagen die erfrischende Kühle in unserem Stadtwald. Hervorheben möchte ich auch die Einbindung der Interessensgruppen aus den Bereichen Naturschutz und Erholung, sowie die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger über verschiedene Termine und Ortsbegehungen.

Dass, aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein Defizit verbleibt, darf aufgrund der Erfüllung vielfacher anderer Funktionen in den Bereichen Wasser, Immissions- und Klimaschutz sowie Erholung, Sport und Naturraum keine Rolle spielen. Zur Erfüllung dieser vielfältigen Aufgaben bedarf es Ressourcen, die bereitzustellen sind. Aus Sicht der KULT-Fraktion sollte man deshalb nicht von einem negativen Ergebnis sprechen. Dies führt zu einem verzerrten Bild und sollte gerade gerückt werden.

Sehen lassen kann sich auch das Ergebnis, denn aus unserer Sicht ist der vorliegende Forst-einrichtungsplan gerade im Hinblick auf die Naturschutzbelange mehr als vorbildlich, damit kann die nächsten 10 Jahre gut gearbeitet und gewirtschaftet werden.

Vielen Dank.

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