Familie-Reinhardt-Platz

Benennung eines Platzes als „Familie-Reinhardt-Platz“

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Interfraktioneller Antrag: Sichtbares Zeichen des Gedenkens an die ermordeten Karlsruher Sinti und Roma

Die Gemeinderatsfraktionen GRÜNE, SPD, KAL, Volt und Die Linke beantragen, den bisher namenlosen Platz an der Ecke Kapellenstraße/Ludwig-Erhard-Allee „Familie-Reinhardt-Platz“ zu nennen. Sie wollen damit ein Zeichen des Gedenkens an die verfolgten, deportierten und ermordeten Sinti und Roma setzen. Das sei in Karlsruhe seit langem überfällig.

An diesem Platz soll auch die im Juli 2025 vom Kulturausschuss beschlossene Gedenkstelle aufgestellt werden, die an diese zweitgrößte Opfergruppe des nationalsozialistischen Völkermords erinnert. Der Platz liegt am Rande der Karlsruher Altstadt, in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen „Dörfle“. Dort lag der einstige Lebensmittelpunkt der Familie Reinhardt und vieler weitere Sinti und Roma. Der Platz sei daher sehr gut geeignet, um deren Geschichte sichtbar zu machen, so die antragstellenden Fraktionen.

Der Antrag folgt einer Initiative der Gesellschaft für bedrohte Völker. Der Verein fordert seit Jahren eine würdige Erinnerungskultur für die Opfergruppe der Sinti und Roma.

Die Familie Reinhardt – Eltern Karl und Katharina sowie ihre Kinder Anton, Georg, Johann, Veronika und Josef – wurde aufgrund des sogenannten Auschwitz-Erlasses von SS-Reichsführer Heinrich Himmler aus Karlsruhe deportiert. Nur drei Familienmitglieder überlebten den Holocaust. Anton Reinhardt, bereits verheiratet und Vater zweier Kinder, verlor seine gesamte Familie in Auschwitz.
Die Benennung nach einer gesamten Familie – und nicht nach einer Einzelperson – unterstreicht dabei bewusst, dass die Verfolgung nicht individuelle Schicksale traf, sondern eine ganze Gemeinschaft aufgrund ihrer Herkunft.

„Der Familie Reinhardt-Platz steht nicht nur für das Schicksal der Familie Reinhardt, sondern symbolisch für alle Karlsruher Sinti und Roma, die Opfer von Rassismus, Entrechtung und systematischer Vernichtung wurden“, erklären die antragstellenden Fraktionen. „Diese Namensgebung ist ein wichtiger Schritt, um das Schweigen über dieses Verbrechen zu brechen und die Verantwortung der Stadt für ihre eigene Geschichte sichtbar zu machen. Gerade in Zeiten, in denen rassistische Hetze gegen Minderheiten wieder zunimmt, braucht es solche Orte der Mahnung und des Respekts.“

Zum Herunterladen:

Bild: Stadt Karlsruhe, Paula Liebig

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