Haus Solms als Skizze

Sitzung des Gemeinderats vom 28. April 2026: Redebeitrag zu Haus Solms

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Redebeitrag Lüppo Cramer zu TOP 14, Verwertung von nicht mehr für die Aufgabenerfüllung benötigten Immobilien im Rahmen des Verwaltungsauftrags Nr. 5 im Zuge des Haushaltssicherungsprozesses

Beim Haus Solms geht es um ein Erbe mit Verantwortung. Das Palais Solms ist weit mehr als nur eine Immobilie oder eine malerische Kulisse für das Standesamt. Es ist ein historisches Gesamtkunstwerk, dessen Bedeutung tief in der Identität der Fächerstadt verwurzelt war. Während viele Bürgerinnen und Bürger heute das Haus Solms nur mit Eheschließungen verbinden, droht die weitaus vielschichtigere Geschichte des Hauses in Vergessenheit zu geraten.

Die Verbindung zwischen dem Palais Solms und der Stadt Karlsruhe wurde bereits vor gut einhundert Jahren gefestigt. Das Grafenpaar Max und Marie zu Solms traf damals eine weitreichende Entscheidung: Sie vermachten das Palais testamentarisch der Stadt. Dieses Erbe war jedoch – wie ich inzwischen im Testament nachlesen konnte – an eine klare Auflage gebunden: Die Stadt Karlsruhe verpflichtete sich, nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch die prachtvolle Ausstattung und die wertvollen Kunstschätze als Einheit zu erhalten.

Dass die denkmalgeschützte, ursprüngliche Inneneinrichtung heute noch im Erdgeschoss weitgehend vorhanden ist, ist ein Glücksfall für die Stadtgeschichte. Es macht das Haus zu einem authentischen Zeugen des Karlsruher Kulturlebens. Die Räume sind keine bloßen Kulissen, sondern Teil einer „testamentarischen Verantwortung“, die die Stadt gegenüber ihren Stiftern eingegangen ist.

Nach ’45 bis zur Gegenwart war das Palais Solms eng mit den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen Karlsruhes verknüpft. Oberbürgermeister Günther Klotz hatte in der Nachkriegszeit, bis zur Fertigstellung des Rathauses, hier sein Büro. Das Palais Solms diente nicht nur als Gästehaus, sondern war lange Zeit die Heimat wichtiger kultureller Institutionen wie die des Stadtarchivs und des Scheffel-Museums. Auch das KONS und die Literarische Gesellschaft fanden dort eine vorübergehende Bleibe. Es gibt also eine enge Verflechtung des Palais mit den kulturellen Einrichtungen der Stadt.

Darum gilt es zu klären, wie die Stadt und der Gemeinderat ihrer Verpflichtung nachkommt, dieses Kulturdenkmal und seine Inneneinrichtung auch für kommende Generationen weiterhin für kulturelle Zwecke zu öffnen und zu bewahren. Das Palais Solms ist ein Symbol für bürgerliches Engagement und städtische Tradition – ein Erbe, das mehr Aufmerksamkeit verdient als nur ein monetäres Objekt der Begierde zu sein.

In dem uns vorliegenden Testament ist genau geregelt, welche Ausstattung im Palais Solms erhalten bleiben muss und was davon verkauft werden darf. Eine Auflage ist, dass das Palais Solms für Ausstellungszwecke genutzt werden muss. Sollte es zu einem Verkauf kommen, war testamentarisch festgelegt, dass die Stadt Karlsruhe den Erlös der Stadt Worms und der Stadt Prausnitz in Schlesien für wohltätige Zwecke überlassen muss.

Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, es sind also noch viele Fragen zu klären. Darum beantragt die Karlsruher Liste Fraktion, dass das Haus Solms von der Verkaufsliste herunter genommen wird.

Vielen Dank.

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