Beton gegen Rüppurr

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Jetzt steht die Festung an der Herrenalber Straße im Rohbau. Gebaut von einer Genossenschaft, die sich um den Gartenstadt-Gedanken mittlerweile einen Dreck schert, und genehmigt vor über einem Jahr von einer superbreiten Mehrheit in der Kommunalpolitik, bestehend aus CDU, Grünen, SPD und FDP. Der Änderungsantrag der Karlsruher Liste (KAL) auf Neuplanung des Straßenraums vor Anlegen der Häuser mit dem Ziel, die Befestigungsanlage zu verhindern: abgelehnt. Bedenken von hunderten Rüppurrer inklusive der Bürgergemeinschaft, von Karlsruherinnen und Sonstigen, die hier durchkommen: abgebügelt. Jetzt haben wir die Wand statt grüner Ortsdurchfahrt. 

Meine KAL-Fraktion war bekanntlich dagegen. Mit nur zwei Stimmen – ich galt als befangen und durfte nicht mit abstimmen; nach den Bestimmungen der Gemeindeordnung durchaus zu Recht. Denn ich wohne nur 80 Meter weg, kann mir also „voller Freude“ jeden Tag vom Esszimmerfenster die Betonburg beschauen. Und den jetzt noch stärkeren Verkehrslärm von der Herrenalber Straße nehme ich auch wahr. Aber reflektierten Schall gibt’s ja nach Ansicht der Stadtverwaltung nicht, obwohl auch meine Nachbarn den hören.

Von wegen „Sonnengrün“: Wer mal auf der Baustelle war, der sieht: Bäume wird man da keine pflanzen, überall ist die Tiefgaragendecke drunter. Der enge Zuschnitt zwischen den Zeilen lässt auch keine Gärten zu, vielleicht ein paar Ziersträucher und Rasen. Also nix mit besonders grün, die Lärmschutzwände sind sogar in einem hässlichen rot. Und die Sonne scheint nur im Sommer zwischen die Zeilen.

Eine durchgehende Allee in der Herrenalber Straße, Verkehrsberuhigung und damit weniger Lärm sind jetzt praktisch unmöglich: Der Verkehrsraum zwischen Schienen und Hauskante ist durch die über fünf Meter hohe und fast 200 Meter lange Lärmschutzwand eng definiert. Rüppurrer Interessen haben die Planer von Stadt und Gartenstadt einfach missachtet. Dabei gab es auch andere Entwürfe, die den Charakter der Gartenstadt aufnehmen wollten: Etwas abgerückte Bebauung entlang der Straße, mit Vorgarten, lange Gärten nach hinten. Aber der ausgewählte und jetzt gebaute Entwurf erlaubt halt die maximale Ausnutzung des Grundstücks. Ob da tatsächlich die gealterten Mitglieder der Genossenschaft hinziehen, die eine altengerechte Wohnung suchen? Das würde ich gerne nach Bezug schwarz auf weiß sehen. Denn billig wird das Wohnen dort nicht.

Man möge mich nicht missverstehen: Die Art der Bebauung wäre anderer Stelle akzeptabel und erlaubt verdichtetes Bauen. Aber an dieser Stelle: komplette Fehlbesetzung.

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