Wo passiv sein mal Sinn macht

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Klar freut sich die Karlsruher Liste, dass der Gemeinderat am 17. November die überfälligen Leitlinien für Energie beschlossen hat; kurz und knapp: “Passivhaus-Standard zukünftig vorgeschrieben”.  Klar freut sich die Karlsruher Liste, dass die Mehrheit des Gemeinderats (ohne CDU) auf unseren Antrag hin die Leitlinien auf die städtischen Gesellschaften ausgedehnt hat; denn die investieren noch viel mehr als die Kernverwaltung. Klar freut sich die Karlsruher Liste, dass die gleiche Mehrheit ebenfalls auf unseren Antrag hin die Leitlinien um eine Verpflichtung auf den Gewinn von Strom und Wärme aus regenerativen Energien ergänzt hat – bei allen Neu- und Umbauten, wo immer möglich.

Aber es hat auch mal wieder Jahre gedauert, bis Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis bei der Verwaltungsspitze ankamen. Andere Städte wie Freiburg, Lörrach (!), Heidelberg, Zürich oder Frankfurt sind uns Jahre voraus. Vor allem bei der Erkenntnis, dass Energiesparen nicht nur dem Klima nutzt, sondern vor allem dem städtischen Geldbeutel. Heute ist die Situation in städtischen Altbauten häufig immer noch wie ein Besuch in der technischen Vergangenheit, angefangen im Rathaus: (Funktionierende) Regelungsventile an den Heizkörpern – das kostet Geld. Nachtabsenkung (zu Uhrzeiten, zu denen ja sowieso keiner anwesend ist) – gibt’s so was? Undichte Fenster – na und, neue sind teuer und bei den alten kommt automatisch immer frische Luft in den Raum!
 
Aus meiner Sicht wird die Nagelprobe sein, wie zügig und konsequent die Verwaltung diese Vorgabe umsetzt. Die Finanzer dort setzen auf kurzfristige Wirtschaftlichkeit – “return of invest” binnen zwei Jahren erwünscht. Nachhaltiges Denken sieht anders aus. Und der Leitgedanke, ein Haus schon bei der Planung als Energiequelle zu sehen, und entsprechend Solarzellen, gar kleine Windmühlen, Brennstoffzellen oder Gasmotoren mit Biogasantrieb bzw. Pflanzenöl oder passend zu KIT und Technologieregion die Zukunftstechnik eines Sterlingmotors mit Biomassebefeuerung als Stromquelle (und gekoppelt für Heizzwecke) vorzusehen, war bisher ganz unmöglich/unerlaubt zu denken.

Gott sei Dank sieht es die Bauverwaltung unter frischer Leitung anders. Hoffentlich schaffen es die Architekten und Techniker, sich gegen Verwaltungsmenschen und Sparen-um-jeden-Preis-Wütige durchzusetzen. Auch bei bereits beschlossenen, aber noch nicht ausgeschriebenen Bauprojekten des laufenden Haushalts! 

Argumentationshilfe von der KAL: Im Lebenszyklus eines Gebäudes, vom Spatenstich bis zum Abriss, macht der Erstinvest nur rund 20 Prozent aus. 80 Prozent gehen für Energieverbrauch, Betrieb und Unterhalt des Gebäudes drauf – mit steigender Tendenz angesichts überproportional steigender Energiekosten. Und mit dem Strom aus Solar- oder aus Brennstoffzellen kann die Stadt auch noch Geld verdienen! 

Außerdem trägt ein solches Vorgehen zur aktuell vielzitierten Generationengerechtigkeit bei: Wir müssen unseren Nachkommen nicht nur wenig Schulden, sondern vor allem funktionierende, langlebige und im Betrieb kostengünstige Güter übergeben. Von der Nullenergie-Schule bis zum super-sparsamen städtischen Fahrzeug. Das würde ich unter einem vernünftigen Sparkonzept verstehen. Auch und gerade in Zeiten der Finanzkrise. Seid mal passiv!