Interfraktioneller Antrag zur Beratung im Fachausschuss
Die Stadt schafft auf dem bisher namenlosen Platz Kapellenstraße / Ludwig-Erhard-Allee am Rande der Karlsruher Altstadt einen Erinnerungsort an die verfolgten, deportierten und ermordeten Karlsruher Sinti und Roma. Sie benennt den Platz nach der, im sogenannten Dörfle beheimateten, Familie Reinhardt als „Familie-Reinhardt-Platz“ und stellt hier die am 25. Juli 2025 im Kulturausschuss beschlossene Stelle zur Erinnerung an die zweitgrößte Opfergruppe des nationalsozialistischen Genozids auf.
Begründung/Sachverhalt:
Familie-Reinhardt-Platz steht für die verfolgten Familienmitglieder, aber auch stellvertretend für alle ermordeten Karlsruher Sinti und Roma. Hiermit wird einer schon jahrelangen, wiederholt vorgebrachten Initiative der Gesellschaft für bedrohte Völker Rechnung getragen, eine Straße oder einen Platz zum Gedenken an das Leiden dieser Karlsruher Bevölkerungsgruppe zu benennen.
Näheres zur Familie Reinhardt findet sich in der Vormerkliste für Straßennamen mit Stand vom 10.03.2022:
Der Familie Reinhardt gehörten die Eltern Karl und Katharina Reinhardt, sowie deren Kinder Anton, Georg, Johann, Veronika und Josef an. Der Vater war als Instrumentenmacher, Musiker und Hilfsarbeiter tätig. Die meisten Mitglieder der Familie wurden aus Karlsruhe aufgrund des Auschwitz-Erlasses von SS-Reichsführer Heinrich Himmler deportiert. Von den sieben Mitgliedern der Familie überlebten lediglich die Mutter und die Tochter Veronika sowie Sohn Josef den Holocaust. Sohn Anton war bereits verheiratet und hatte zwei Kinder, welche, wie auch seine Frau, im KZ Auschwitz umgebracht wurden.
Entgegen der Auffassung der Verwaltung (s. Schreiben vom 07.11.2025 zur Benennung eines Platzes mit Brigandeplatz/Reinhardtplatz) vertreten wir folgende Ansicht:
Eine Straßenbenennung nach einer Familie wurde in Karlsruhe bisher nicht vollzogen. Sie erscheint in diesem Fall jedoch stimmig, denn die Verfolgung und Ermordung traf die Menschen nicht aus individuellen Gründen, sondern wegen ihrer Herkunft.
Erfahrungsgemäß ergibt sich in der Innenstadt nur sehr selten eine Gelegenheit, einen öffentlichen Ort zu benennen. Für uns ist nicht erkennbar, dass an einer anderen Stelle ein „Platz mit entsprechender Attraktivität und Signalwirkung für Karlsruhe“ gefunden werden könnte, wie dies der Bürgerverein Altstadt im Bürgerheft „die Stadtmitte“, Ausgabe August 2025 vorgeschlagen hat. Der Platz an der Kapellenstraße stellt darüber hinaus einen engen örtlichen Bezug zum Lebensmittelpunkt der Verfolgten her.
Unterzeichnet von:
Jorinda Fahringer, Aljoscha Löffler, Dr. Susanne Heynen, Fraktion GRÜNE
Dr. Raphael Fechler, Dr. Anton Huber, SPD-Fraktion
Lüppo Cramer, Sonja Döring, Michael Haug, KAL-Fraktion
Anne Berghoff, Tanja Kaufmann, Fraktion Die Linke
Fabian Gaukel, Volt-Fraktion
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Bild: Stadt Karlsruhe, Paula Liebig





