Erst die Katastrophe kippt die AKWs

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Zurzeit läuft nie Erlebtes: Erst eine Naturkatastrophe von für die Betroffenen apokalyptischem Ausmaß – dann eine Katastrophe, für die Menschenwerk die Voraussetzung ist. Japan muss Schreckliches erleiden. Und doch hilft die Katastrophe: bei der Einsicht, dass wir Menschen nicht alles regeln und absichern können. Weder bei der Natur, noch bei der Kernspaltung. Nie erlebt auch, wie schnell Politik(er) kippen können, wenn Machtverlust droht. Eine Betrachtung, ausnahmsweise ganz ohne Augenzwinkern.

 

Noch vor einer Woche haben die schwarz-gelben Akteure in Bund und Land die Kernenergie und die Verlängerung der Laufzeiten mit Zähnen und Klauen verteidigt. Sie haben ein trickreich abgefasstes Gesetz entwickelt, um öffentlich am Bundesrat vorbei ihre Atom-Ziele durchzusetzen. Der baden-württembergische MinPräs Mappus war Gallionsfigur der Pro-Atom-Bewegung. Weltweit ungeklärte Entsorgungsfrage – egal. Nöte der deutschen Stadtwerke, die Millionen in andere Kraftwerke (Gas, regenerativ, …) investierten und deren Investitionen dank Laufzeitverlängerung “stranded investments” waren/wären – missachtet. Sicherheit in Nähe der alten Meiler – wen kümmert’s in Stuttgart.

Dann kommt Fukushima. Zwei Tage nach Beginn der Reaktorkatastrophe paddelt die Bundesregierung zurück: zuerst nur Moratorium, kurz darauf “Aus für sieben”. Und jetzt heißt es aus der Staatskanzlei Ba-Wü: “Neckarwestheim – sofort Aus für immer” (nachdem die EnBW signalisiert hatte, dass das wirtschaftlich für das Unternehmen besser sei als wieder anzufahren). O tempora o mores. Aber gut. Jetzt AUS für Altmeiler Neckarwestheim, am 27.3. AUS für Fossil Mappus.

Bis dahin und danach sollten wir Japan alle Daumen drücken. Mehr scheint nicht mehr möglich zu sein. Gerade lese ich in Spiegel Online “50 Mann sollen Japan retten”. Gott helfe ihnen.